Nahezu jeder Monitor zeigt Farben falsch an. Wer jedoch Bilder oder Videos professionell bearbeitet, ist auf eine 100% genaue Farbdarstellung angewiesen, weshalb diese ihren Monitor kalibrieren.

Eine Kalibrierung ist aber ebenso für Normalanwender sehr sinnvoll, da so etwa Graustufen, Farbtemperatur, Helligkeit und natürlich die Farben selbst an die räumliche Umgebung des Monitors angepasst werden und dadurch die Arbeit am Monitor deutlich angenehmer ist.

In diesem Artikel zeige ich dir, wie du mithilfe der Software DisplayCAL und einem Spyder 5 oder Spyder X Kalorimeter deinen PC Monitor korrekt einstellst und kalibrierst.

monitor kalibrieren displaycal

BENÖTIGTE HARDWARE UND SOFTWARE

HARDWARE

Um den Anweisungen in dieser Anleitung zu folgen, benötigst du zuerst einmal ein Kolorimeter. Davon gibt es eine große Auswahl, persönlich kann ich eines der folgenden beiden empfehlen:

Ich würde mich dabei sehr freuen, wenn du das Kolorimeter über diese Links kaufst, da ich hierfür eine kleine Provision von Amazon erhalte, du jedoch nicht mehr bezahlen musst.

Es gibt noch einige weitere, deutlich teurere Version der beiden oben aufgeführten Kolorimeter. Diese bringen jedoch keinen Mehrwert für das Kalibrieren in dieser Anleitung, da die Hardware bei den teureren identisch mit den günstigen ist (lediglich die Software unterscheidet sich).

Für die Anleitung wird das Datacolor Spyder5 Express verwendet. Der Nachfolger SpyderX Pro oder andere Kolorimeter von Datacolor und X-Rite können aber ebenso problemlos verwendet werden.

SOFTWARE

Als Software verwenden wir die Open Source Kalibrierungssoftware DisplayCAL (früher ArgyllCMS), die vollständig kostenfrei für Windows, Mac und Linux zur zum Download bereitsteht. Mehr zur Software später.

INSTALLATION ALLER KOMPONENTEN

Falls du die Treiber und Software deines Kolorimeters noch nicht installiert hast, kannst du Schritt 1.1 überspringen und direkt zu 1.2 übergehen.

ALTE SOFTWARE ENTFERNEN

Da DisplayCAL eigene Treiber- und Softwarepakete mitliefert und sich diese nicht mit der Herstellersoftware des Kolorimeters (hier dem Spyder5 Express) vertragen, musst die Software zuerst deinstalliert werden.

Deinstalliere dazu zuerst die Software des Spyder5 und anschließend den Treiber des Spyder5. Wie das genau funktioniert, wird in meinem YouTube-Video ab 02:11 min ausführlich gezeigt.

DISPLAYCAL INSTALLIEREN

Nun kann DisplayCAL installiert werden. Dazu musst du die Software von der Herstellerseite herunterladen. Die Windows und Mac-Versionen habe ich hier in der Standalone bereits verlinkt:

Installiere die Software und wähle beim letzten Schritt der Installation den Punkt

  • „Let DisplayCAL handle calibration loading“

ERSTER START VON DISPLAYCAL

Starte nun zum ersten mal die Software DisplayCAL. Dabei wirst du gefragt, ob du die ArgyllCMS Color Engine herunterladen möchtest. Bestätige dies mit einem Klick auf „Herunterladen“.

KOLORIMETERTREIBER INSTALLIEREN

Nun müssen die Treiber für das Spyder5 installiert werden. Klicke dazu auf

  • Werkzeuge / Messgerät /  ArgylLCMS Messgeräte-Treiber installieren…

und folge den Bildschirmanweisungen. In dem YouTube-Video wird dies ab 06:15 min gezeigt.

KORREKTURDATEN INSTALLIEREN

Um sicherzustellen, dass jedes Kolorimeter korrekte Messungen durchführt, müssen spezielle Korrekturdaten für das Spyder5 installiert werden.

Lade dazu die Software deines Kolorimeters von deren Herstellerseite herunter (aber nicht installieren).

Beim Spyder5 kann die Software hier heruntergeladen werden.

Klicke in DisplayCAL nun auf

  • Werkzeuge / Korrektur / Colorimeter-Lorrekturen von anderen Anzeigegeräteprofilierungs-Software importieren…
  • wähle Spyder4/5 aus,
  • nur für aktuelle Benutzer installieren und
  • wähle nach „Datei auswählen“ die zuvor heruntergeladene Spyder5-Software aus.

1.6 ERWEITERTE OPTIONEN

Da wir einige erweitere Einstellungen für die Kalibrierung benötigen, musst du zwei Optionen in DisplayCAL aktivieren:

  • Optionen / Erweiterte Optionen anzeigen

KALIBRIERUNGs- und Profilierungseinstellungen

Nun kommen wir zum eigentlichen Schritt der Anleitung: Der Kalibrierung und anschließenden Profilierung deines Monitors.

Die nachfolgenden Schritte sind nach den einzelnen Registerkarten von DisplayCAL aufgeteilt.

Anzeige- & Messgerät

In dieser Registerkarte werden die grundlegenden Einstellungen zum Spyder5 und deinem Monitor eingestellt.

  • Anzeigegerät: wähle hier das Anzeigegerät aus, das du kalibrieren möchtest. Sofern du MadVR verwendest, kannst du hier auch MadVR als Gerät auswählen (empfohlen bei TV oder Beamerkalibrierung).
  • Messgerät: Wähle dein Kolorimeter aus, in diesem Fall Spyder5.
    • Modus: Wähle die Einstellung, die deinem Monitor entspricht. In den meisten Fällen ist dies LCD (Weisse LED).

Alle anderen Einstellungen werden in diesem Reiter so belassen, wie sie sind.

Kalibrierung

In dieser Registerkarte kannst du genau einstellen, wie bzw. nach welchem gewünschten Output kalibriert werden soll.

  • Interaktive Einstellungen des Anzeigegeräts: sollte aktiviert sein, sofern der Monitor über Einstellungen wie Helligkeit, Kontrast und Farbintensität verfügen.
  • Weißpunkt: Sofern du in einem Raum bist, der zu jeder Tageszeit gleich beleuchtet ist, kannst du hier eine feste Farbtemperatur einstellen, z.B. 6500k. Da dies in den meisten Fällen jedoch durch Sonneneinstrahlung durchs Fenster nicht gegeben ist, sollte der Weißpunkt nicht verändert werden. Daher: „Wie gemessen, Referenz Tageslicht“
  • Weißluminanz: Wie gemessen.
  • Schwarzluminanz: Wie gemessen.
  • Tonwertkurve: Die Tonwertkurve reguliert die Helligkeitsverteilung. Hier kann je nach Anwendungsbereich ein Gammawert oder ein Preset verwendet werden. Bei der Bildbearbeitung ist diese typisch sRGB, bei Blurays etwa Rec. 709. In unserem Fall wählen wir sRGB.
  • Kalibrierungsgeschwindigkeit: Je höher die Geschwindigkeit, desto ungenauer die Messung. Da eine sehr niedrige Geschwindigkeit jedoch unproportional länger bei der Messung benötigt, jedoch nur minimal genauer ist, empfehle ich die Einstellung „Hoch“.

Profilierung

Bei den Profilierungseinstellungen wird festgelegt, in welcher Form das Monitorprofil angelegt wird.

Grundsätzlich gibt es zwei Möglichkeiten: Matrix und LUT.

  • Matrix: Matrix aus den drei Primärfarben des Anzeigegeräts mit einer einfachen Tonwertkurve (3×3 Matrix).
  • LUT (Look Up Table): deutlich umfangreicheres Profil, das etwa jeden einzelnen Farbwert mit einer Korrektur vorsieht.

LUTs sind also deutlich genauer, werden jedoch nicht von allen Anwendungen unterstützt. Da wir uns auf die reine Kalibrierung für den Desktopbetrieb konzentrieren, wählen wir „Einzelne Kurve + Matrix“.

Mit der Feldanzahl kannst du einstellen, wie viele Testfelder gemessen werden sollen, aus denen dann die Profilierung abgeleitet wird. Je mehr Felder du wählst, desto genauer wird auch das spätere Profil. In der Zeile darunter wird angegeben, wie lang die Messung mit deinen Einstellung voraussichtlich dauern wird.

425 Felder sind m.E. ein guter Anfang für die ersten Messungen.

Alle restlichen Einstellungen bleiben so, wie sie sind. Bei Bedarf kannst du den Profilname ändern, damit du ihn später eindeutig identifizieren kannst.

Kalibrieren des Monitors

Nachdem du nun alle Einstellungen vorgenommen hast, kannst du den eigentlichen Kalibrierungvorgang mit einem Klick auf „Kalibrieren & Profilieren“ starten.

Beachte bitte, dass dein Anzeigegerät mindestens 30 Minuten eingeschaltet sein soll, bevor du mit der Kalibrierung beginnst.

Platziere nun dein Spyder5 in der Mitte deines Anzeigegeräts, sodass es innerhalb des Messfensters auf dem Bildschirm aufliegt. Das Messgerät sollte dabei nicht wackeln und fest auf dem Bildschirm halten. Dabei kann es hilfreich sein, den Monitor etwas zu neigen.

Klicke anschließend auf  „Messung starten„.

Über ein weiteres Fenster wirst du über die aktuellen Schritte informiert.

Weißpunkt/Weißluminanz

Klicke bei dem Fenster auf „Messung starten“. Hier siehst du nun die Rot-/Grün/Blauanteile, aus denen Weiß erzeugt wird.

Falls du hier bemerkst, dass eine der Farben einen längeren/kürzeren Balken hat oder nicht bis zum markierten Pfeil reicht, so musst du in den Anzeigegeräteeinstellungen entsprechend die Farbtemperatur oder RGB-Töne abändern, sodass alle drei Farben in etwa gleich stark sind.

Klicke anschließend au „Messung stoppen“ und „Weiter zur Kalibrierung„.

Kalibrierung

Der finale Schritt zum Kalibrieren des Monitors wurde nun gestartet. Dies kann abhängig von deiner Einstellungen bis zu mehreren Stunden dauert. Achte in der Zeit darauf, dass der Sensor nicht verschoben wird und kein helles Licht unmittelbar auf den Monitor scheint, da so die Messergebnisse verfälscht werden können.

One more thing

Verwendest du eine Canon DSLR? Dann solltest du dir unbedingt auch meinen Magic Lantern Artikel ansehen. Damit kannst du den Funktionsumfang deiner Canon Kamera deutlich erweitern und so zum Beispiel die Videoqualität erhöhen.

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2 Kommentare

  • Steffen sagt:

    Hallo Timo
    leider funktioniert das bei mir nicht so leicht wie in deinem Video dargestellt. Beim „Agryll­CMS Messgeräte-​Treiber in­stal­lie­ren“ kommt folgende fehlermeldung: Errno2, No such file or directory. Daraufhin habe ich in Datei/ ArgylIICMS Programmverzeichnis… einen Ordner in C:\\ erstellt, die entsprechenden Dateien herunter geladen und in den Ordner geschoben und diesen auch in DisplayCall zugewiesen. Neustart von DisplayCall – keine Änderung, Fehlermeldung kommt immer noch. Weiter mit Korrektur und dort die Spyder5 exe verlinkt und installiert. Dennoch es wird beim Anstecken kein Messgerät erkannt, Im Gerätemanager gibt es kein Spyder unter Agryll, sondern Windows versucht sofort die Treiber vom Spyder selber zu installieren. Mein BS ist Win7, Spyder5 express 5.2 hatte ich vorher installiert und auch definitiv deinstalliert, auch die Treiber im Gerätemanager. Habe auch versucht die SW neu als Admin zu installieren und „Eset“ komplett ausgeschalten. Kein Erfolg.
    Was läuft da noch falsch?
    VG Steffen